Oder: Technische Gimmicks, die man wirklich nicht braucht – eben brüllende Vögel
Ich mag es, draußen auf der Terrasse zu sitzen.
Und ich mag es auch, wenn um mich herum die Vögel mit ihrem Zwitschern die Stille durchbrechen. Meistens.
Es gibt allerdings Tage, an denen ich eher das Gefühl habe, sie brüllen mich an.
Heute ist so ein Tag.
Ich trat hinaus, sog die frische Morgenluft ein und blinzelte zufrieden in die Sonne. Die Vögel zwitscherten dezent. Ich beschloss, mich auf unserer Bank niederzulassen. Unter meinen Füssen spürte ich das vom Tau noch feuchte Gras, roch die Kräuter und die Erde, genoss den Augenblick.
Dann zuckte ich zusammen. Mein Kaffee den ich – wie immer, die Tasse randvoll – schwappte über den Rand.
Eine Kakophonie an nicht gerade heimisch anmutenden Vogelstimmen brüllte mich an.
Eindeutig von links kommend.
Verwirrt sah ich mich um. Mit zusammengekniffenen Augen musterte ich die Wand.
Da hing er.
Ein Lautsprecher.
Mit Bewegungsmelder.
Und er brüllte – in einer sehr, sehr kurzen Dauerschleife – Vogelgesänge.
Eine Mischung aus schrillen, tropenurlaubsmäßigen Geräuschfetzen.
In Dauerschleife. Alle fünf Sekunden.
Vogelfiasko – Neustart.
Immer dann, wenn ich mich bewegte. Und auch sonst.
Also… die ganze Zeit.
Mein Freund war gestern einkaufen.
Und der Wühltisch hat geantwortet.
Der Lautsprecher ist jetzt still.
Die Batterie habe ich entfernt.
Zur Vorsicht noch ein Kabel rausgezogen.
Ich erwäge, das Gehäuse mit Salbei zu räuchern, bevor ich es endgültig vergrabe.
Vögel brüllen nicht.
Technik schon.
Und ich auch – aber nur innerlich. Mit Stil. Manchmal braucht es eben keinen Zen-Mönch, sondern einen Seitenschneider – und die leise Genugtuung eines wieder stillen Morgens.
Ich dachte übrigens immer, es heiße Saitenschneider – bis die Rechtschreibkorrektur mich nach einer harten „Nein. Doch. Nein…“-Diskussion eines Besseren belehrte.
Vielleicht, weil ich nie nur Kabel durchtrennte – sondern auch die falschen Töne im Tag.
Falls mein Freud später fragt, wo der Vogellautsprecher des Todes geblieben ist… ich habe ihn umgestimmt. Spirituell. Mit Werkzeug. Und ja – die Beerdigung war rituell und bewegend.
Warum ich das geschrieben habe?
Weil ich eigentlich Stille wollte. Und stattdessen eine Attacke bekam. Vom Wühltisch.

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